Bone-EVA-Studie: Osteoporose zu selten diagnostiziert und therapiert
Es ist an der Zeit, die Behandlungsstrategie für Osteoporosekranke in Deutschland zu optimieren. Das belegt die aktuelle Bone-EVA-Studie (1). Denn obwohl gut ein Viertel der über 50-jährigen Frauen betroffen ist, erhält nur jede Fünfte ein für diese Skeletterkrankung indiziertes Medikament (1). Die allermeisten werden nicht behandelt oder bekommen Schmerzmittel. So das Ergebnis der retrospektiven Beobachtungsstudie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES).
Anhand der Patienten- und Verordnungsdaten der Gmünder Ersatzkasse und der Abrechungsdaten des Zentralinstituts für Kassenärztliche Versorgung (ZI) aus dem Jahr 2003 wurde ermittelt, wie häufig die Osteoporose in Deutschland auftritt, wer sie im ambulanten Bereich diagnostiziert und welche Arzneimittel von welchen ärztlichen Fachgruppen verordnet werden. Es bestätigte sich, dass die Osteoporose überwiegend eine Erkrankung der Frauen ist. 39% der über 50-jährigen Frauen, d.h. 6,5 Millionen, waren betroffen. Von den Männern war es nur knapp jeder Zehnte, genau 9,7%. Die Prävalenz nimmt mit dem Alter vor allem bei Frauen stark zu. In der Gruppe der 50-64-Jährigen litten 23,3% am Knochenschwund, bei den 65-74-Jährigen waren es schon 46,7%, bei den über 75-Jährigen dann 59,2%. Die altersentsprechenden Werte für Männer lauteten 7,1, 11,4 und 16,1% (1).
Knochendichtemessung selten veranlasst
Immerhin 4,3% der 7,8 Mio. Osteoporosekranken erlitten im Jahr 2003 eine Fraktur. Von den 333.322 Frakturen waren fast 100.000 hüftgelenksnahe Frakturen, gut 40.000 Handgelenksfrakturen und ca. 40.000 Wirbelkörperfrakturen (1). Obwohl bekannt ist, dass Hüftgelenksfrakturen ab dem 45. Lebensjahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Osteoporose zurückzuführen sind, wurde im ambulanten Bereich nur selten an eine Osteoporose gedacht. Nur bei gut einem Drittel wurde eine entsprechende Diagnostik eingeleitet.
Kritisch zu sehen ist auch, dass das Wissen um den mit dem Alter immer engeren Zusammenhang zwischen einer Hüftfraktur und einer Osteoporose keine Folgen hat. Gerade bei älteren Patienten wurde auf eine Untersuchung mittels Knochendichtemessung eher verzichtet (1).
Zu selten medikamentös versorgt
Nicht besser sah es bei der Therapie aus. Neun von zehn Patienten bekamen statt einer spezifischen Osteoporosetherapie ein Schmerzmittel. Insgesamt nur jeder fünfte Patient erhielt ein osteoporosespezifisches Medikament. Dabei bestand die spezifische Therapie bei wiederum 17% nur aus der heute vom Dachverband Osteoporose als Basismaßnahme klassifizierten Therapie mit Calcium und Vitamin D. Nur jeder Zehnte erhielt eine weitergehende Behandlung, die den damaligen Therapieempfehlungen entsprach (1).
Zu denken geben sollte auch die Tatsache, dass die Behandlungswahrscheinlichkeit um so niedriger war, je älter die Patienten waren. Wurden von den 50-64-jährigen Frauen noch 31% behandelt, waren es bei den mindestens 75-jährigen nur noch 19%. Nur jede Elfte der Betagten erhielt eine leitliniengerechte Behandlung. Die Studie zeigt auch, dass über Behandlungsalternativen nachgedacht werden muss. Denn die Adhärenz gegenüber den erfassten Therapieoptionen aus dem Jahr 2003 war verbesserungsbedürftig. Immerhin 58% der Patienten, die täglich ein übliches Medikament einnahmen, setzten es innerhalb eines Jahres ab, von denen mit wöchentlicher Einnahmefrequenz waren es 43% (1).
(1) Häussler et al.: Dt. Ärzteblatt 2006; 39, 2542-2548